Hans Jürgen Bömelburg

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Hans Jürgen Bömelburg

Hans-Jürgen Bömelburg, Jahrgang 1961, ist Professor für Osteuropäische Geschichte an der Justus-Liebig-Universität Gießen und Co-Vorsitzender der Gemeinsamen Deutsch-Polnischen Schulbuchkommission.

Je mehr Polen in Deutschland aufwachsen, dabei aber eine polnische Teilidentität bewahren und diese in die deutsche Öffentlichkeit einbringen – sei es als Politiker, als Schriftsteller oder als Journalist –, desto sichtbarer wird der polnische Anteil an der bundesdeutschen Gesellschaft werden. Wahrscheinlich wird erst dann deutlich, wie viel Polnisches unsere deutsche Gegenwart prägt, und das nicht erst seit wenigen Jahren, sondern seit Jahrhunderten.

Hans Jürgen Bömelburg

Aktuelles Buch

Die Deutschen und die Polen

Theiss Verlag

Seit mehr als tausend Jahren sind Polen und Deutsche Nachbarn in Europa, ihre Geschichte kennt Höhen und Tiefen erlebt. Die gemeinsame "Grenze" (ein Lehnwort aus dem Polnischen) war lange eine der ruhigsten Europas, im 20. Jh. dann die schwierigste.

Nachdem sie mit der Teilung Polens 1795 verschwunden und erst nach der deutschen Niederlage im Ersten Weltkrieg überhaupt wieder entstanden war, wurde sie nur wenige Jahre darauf am 1. September 1939 erneut gewaltsam beseitigt - ein Ereignis, das den Beginn des Zweiten Weltkriegs markierte. Nach Kriegsende wurde die Oder-Neiße-Grenze schließlich innerhalb von 40 Jahren gleich dreimal anerkannt: von der DDR, von der Bonner Republik, und schließlich 1990 durch das vereinigte Deutschland. Die Schwierigkeit der deutsch-polnischen Beziehung rührt vor allem daher, dass sich im die Ziele beider Länder - Einheit für Deutschland, Freiheit für Polen - spätestens seit der Teilung Polens durch Preußen, Russland und Österreich grundsätzlich gegenseitig ausschlossen. Auch die schrecklichen Ereignisse des Zweiten Weltkriegs, als von deutscher Hand Millionen Polen ihr Leben verloren, haben lange Schatten geworfen. Es dauerte Jahrzehnte, dieses Leid zu überwinden. Erst mit der ostmitteleuropäischen Revolution 1989 verkehrte sich der "existentielle deutsch-polnische Interessengegensatz" wieder in eine "Interessengemeinschaft". Heut leben Deutsche und Polen "zum Glück zwar nicht mehr gegen-, aber immer noch eher neben- als miteinander", wie der polnische Journalist und Kenner Deutschlands Adam Krzemiński im Vorwort feststellt.

Die Vergangenheit gerät jedoch zunehmend in Vergessenheit. Dabei könnte man sich an so vieles erinnern: an deutsch-polnische Kontakte im Mittelalter, an die Rolle des deutschsprachigen Danzig als Handelszentrum im Ostseeraum, an die aus den deutschen Ländern nach Polen gewanderten Juden oder die Massenwanderung von Polen in das Ruhrgebiet Ende des 19. Jahrhunderts, an die Musiker, Schriftsteller, Künstler beider Länder, die in den 1960er Jahren, als keine offiziellen diplomatischen Beziehungen bestanden, faktisch als Botschafter dienten. Das vorliegende Buch thematisiert eine Vielzahl von Aspekten, von Migration und Orten des Kulturaustauschs über Stereotype bis hin zu Einzelschicksalen wie das des Literaturkritikers Marcel Reich-Ranicki.

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