Mathias Enard

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Mathias Enard

Mathias Énard, 1972 geboren, lebt in Barcelona. Auf Deutsch erschienen von ihm die Romane "Zone" (2010), für den er den Candide-Preis 2008 erhielt, "Erzähl ihnen von Schlachten, Königen und Elefanten" (2011), ausgezeichnet mit dem Prix Goncourt des lycéens 2010, und zuletzt, 2013, "Straße der Diebe". Für den Roman "Kompass" erhielt er den Prix Goncourt 2015.

©  Foto: Marc Melki

"Es gibt im Leben Wunden, die wie die Lepra, langsam, in der Einsamkeit an der Seele zehren", schreibt der Iraner Sadeq Hedayat zu Beginn seines Romans 'Die blinde Eule': Das wusste der kleine Mann mit den runden Brillengläsern besser als jeder andere. Eine dieser Wunden hat ihn dazu gebracht, an einem Abend großer Einsamkeit in seiner Pariser Wohnung in der Rue Championnet den Gashahn weit aufzudrehen, an einem Abend im April, weit weg von Iran, sehr weit weg, mit nichts anderem zur Gesellschaft als ein paar Gedichten von Omar Khayyam und vielleicht einer dunkelbraunen Flasche Cognac oder einem kleinen Brocken Opium, oder vielleicht mit nichts, mit nichts außer den Texten, die er noch für sich behalten hatte und die er in die große Leere des Gases mitnahm.

Mathias Enard

Aktuelles Buch

Kompass

Hanser Berlin

Enards großer Roman über die gegenseitige Beeinflussung von Orient und Okzident. Unter dem Schock einer alarmierenden medizinischen Diagnose verbringt Franz Ritter, Wiener Musikwissenschaftler, eine schlaflose Nacht. Schon lange hat er kaum mehr seine Wohnung verlassen, die über die Jahre zu einer einzigen großen Bibliothek des europäischen Orientalismus geworden ist. In dieser einsamen Nacht begibt er sich im Geiste noch einmal auf Reisen zu all den Orten, an die ihn seine Studien geführt haben: nach Istanbul, Damaskus, Aleppo, Palmyra, alles Orte, die für ihn untrennbar mit Sarah verbunden sind, der berühmten Orientalistin - seine große Liebe. Unentrinnbar gerät man in den Sog der Erinnerung dieses enzyklopädisch gebildeten, sehnsuchtsvoll liebenden Gelehrten, der immer mehr Dokumente, Romanzen, Fakten, Geschichten hervorzaubert, die von dem entscheidenden Beitrag des Orients zur westlichen Kultur und Identität zeugen.

"'Kompass' ist eine poetische Hymne an die Wunder und Herrlichkeiten des Morgenlands. Enards Roman setzt den absoluten Kontrapunkt zum medialen Kriegs- und Panikgeschrei. (...) 'Kompass' ist auch eine Enzyklopädie der orientalischen Kultur in der Form einer doppelbödigen Liebeserklärung, eine atemberaubende Vermählung von Bildung und Romantik." Romain Leick, Der Spiegel, 27.08.16

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